Stellungnahme des NABU

Kreisverbandes Mittleres Erzgebirge

zur Diskussion in der lokalen Presse

über die Rothirschjagd

im Staatsbetrieb Sachsenforst

 

 



Wie die Berichte und Meinungsäußerungen in der Freien Presse gerade in den letzten Wochen zeigen, wird das Thema Jagd auch in unserer Region mittlerweile kontrovers diskutiert. Es ist berechtigt, dass heute nicht nur die hergebrachten Jagdgepflogenheiten, sondern auch die Zielstellungen und die Berechtigung der Jagd hinterfragt werden. Der NABU hat seit Jahren immer wieder die Neuausrichtung der Jagdgesetzgebung angeregt, um den Natur- und Tierschutz bei der Jagd, aber auch eine ökologisch begründete Bestandsdichte der Wildarten zu gewährleisten. Darum geht es letztendlich auch in den veröffentlichten Reaktionen auf den Artikel über einen Jagdtag im Staatsbetrieb Sachsenforst vom 13. Oktober 2014 in der Marienberger Zeitung.


Für den NABU ist der Rothirsch eine einheimische Tierart, die in unserer von Land- und Forstwirtschaft genutzten Heimat zwar bejagt, aber nicht ausgerottet werden darf. Entscheidend ist, welche Zielstellung die Bejagung verfolgt und wie sie durchgeführt wird. Ganz allein nur auf eine maximale Reduzierung des Wildbestandes zu setzen, wäre sicher nicht der richtige Weg. Die Abschusspläne, die Sachsenforst zu erfüllen hat (Freie Presse vom 21.11.), dürfen sich nicht allein nach den wirtschaftlich geprägten Zielstellungen des Waldbesitzers richten. Zweifelhaft ist deshalb die Regelung, dass Sachsenforst sich selbst für seine Staatswaldflächen die Abschusspläne genehmigt, weil er Jagdbehörde und Bewirtschafter in einem ist. Für jede andere Abschussplanung außerhalb des Staatswaldes erfolgt die Genehmigung durch die untere Jagdbehörde.


Wer sich noch an die zweifelsohne sehr hohen Rothirschbestände während der DDR-Zeit im oberen Erzgebirge erinnern kann, gewinnt heute den Eindruck, dass durch eine Intensivierung der Jagd nun das andere Extrem mit einer Verringerung der Bestände gegen Null in manchen Waldgebieten in Kauf genommen wird. In vielen Gemeinden, wo die Bevölkerung und Gäste früher im Herbst das wohl beeindruckendste Naturschauspiel im Erzgebirge, die Hirschbrunft, oft mit Begeisterung erlebt haben, ist davon nun nichts mehr zu spüren, und es scheint so, dass gerade im Staatswald Rothirsche als ganzjähriges Standwild mancherorts vollständig verschwunden sind. Dabei sollte der Freistaat Sachsen die im Landeswaldgesetz gleichberechtigt neben der Nutzfunktion formulierte Schutzfunktion (u.a. für Tiere) gerade auf seinen eigenen Waldflächen gewährleisten und auch diese Tierart tolerieren.


Der Aufwand, mit dem der Rothirsch hier bejagt wird, spricht dafür nicht. Zum einen wird während der Zeit vom 1. August bis 31. Januar die Bejagung durch Einzelansitz flächendeckend durchgeführt. Und gegen Jahresende werden dann die großen Gesellschaftsjagden veranstaltet. Wenn dabei nach einer mit 100 Beteiligten bei Einsatz von Hunden durchgeführten Jagd, die auch aus Sicherheitsgründen penibel und aufwändig durch die Bediensteten des Staatsforstes vorbereitet wurde, gerade einmal 12 Hirsche erlegt werden, und das scheint auch wegen der Nähe zu Böhmen sogar ein gutes Ergebnis zu sein, dann ist schon zu fragen, ob der Einsatz gerechtfertigt ist und 23 solche Jagden allein im Forstbezirk Marienberg nur in dieser Saison nötig sind.


Dabei ist nichts gegen die sogenannte Ansitz-Drückjagd einzuwenden, wenn sie denn die Hauptjagdmethode wäre und Rücksicht auf Schutzgebiete und die Vorkommen besonders gefährdeter Tierarten nimmt. Durch sie wird das Wild nur ein- oder wenige Male beunruhigt, da an einem Tag viele Tiere erlegt werden können, wogegen bei der üblichen Ansitzjagd das Wild überall ständiger Beunruhigung ausgesetzt ist. In der Folge wird es scheu und verlegt seine Aktivität in die sicheren Nachtzeiten und tritt auch kaum ins Freie, obwohl es sich eigentlich im Offenland und bei Helligkeit am wohlsten fühlt. Daher ist es kein Zufall, dass man nur schwer und selten Hirsche beobachten kann.


Es stellt sich auch die ethisch-moralische Frage: „Wie soll mit unseren Mitgeschöpfen umgegangen werden?“ Wenn Tiere Rechte haben, haben wir auch eine Verantwortung. Gnadenlose Verfolgung weil sie nicht ins wirtschaftliche Konzept passen oder ein fairer Umgang miteinander? Es soll sich auch in Zukunft an einer vielfältigen, freilebenden Tierwelt erfreut werden können.


Für den NABU wäre eine deutliche Reduzierung der Ansitzbejagung wichtig, um den Tieren ihr natürliches Verhalten und die Tagaktivität zu ermöglichen. Nicht nur für unsere Bevölkerung, sondern auch für Gäste könnte damit auch das Naturerleben noch attraktiver werden. Manche Tourismusregion in Deutschland (z.B. Schwarzwald, Darß), wo das Wild durch Änderung der Jagdweise vertrauter ist als im Erzgebirge, werben heute schon damit, Hirsche in freier Wildbahn erleben zu können.


Vorstand des NABU-Kreisverbandes

Sonntag 05./06.09.2015

10 -17 Uhr

Pilzausstellung im Bergmagazin Marienberg

Samstag 05.09.2015 09.00 Uhr Wanderung mit Pilzberatern.